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FEHLERTEUFEL

 

Grafische Darstellung des Bildungs-Konzeptes (Ist-Situation)

Darstellung des Bildungs Konzeptes

Das Ziel: Die Akademisierung der Ergotherapieausbildung

Die derzeitige Ergotherapieausbildung ist vorwiegend von den rund 180 Berufsfachschulen für Ergotherapie geprägt.

Seit 1999 gibt es in Deutschland Studiengänge im Bereich der Ergotherapie, die überwiegend an Hochschulen angesiedelt sind. Es handelt sich mehrheitlich um additive/aufbauende oder duale/ausbildungsintegrierende Konzepte, die in Kooperation mit den Berufsfachschulen realisiert werden.

Aufgrund der zunehmenden Komplexität der Handlungsfelder von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten und des medizinisch-technischen Fortschritts konnte 2009, mit einer ursprünglichen Laufzeit bis zum 31.12.2017, die Einführung einer Modellklausel, u.a. in das "Gesetz über den Beruf der Ergotherapeutin und des Ergotherapeuten (Ergotherapeutengesetz, ErgThG)" erwirkt werden. Im Rahmen der Modellklausel können in Modellvorhaben primärqualifizierende Studiengänge erprobt werden, die sowohl mit einem Hochschulgrad als auch der Berufszulassung abschließen. Die Modellvorhaben werden auf Grundlage von Evaluationsfragen, die das Bundesministerium für Gesundheit verfasst hat, von den Bundesländern, in denen Modellstudiengänge existieren, evaluiert und der Deutsche Bundestag trifft eine Entscheidung über die Modellstudiengänge. 2016 wurden die Modellstudiengänge erstmals evaluiert und der Deutsche Bundestag entschied, die Modellklausel nochmals um weitere vier Jahre (bis zum 31.12.2021) zu verlängern. Eine endgültige Entscheidung des Deutschen Bundestages ist noch ausstehend.  

Der DVE spricht sich für die grundständige hochschulische Ausbildung aller Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten aus, die, wie in der Grafik dargestellt, auch eine akademische

Laufbahn (Masterabschluss, Promotion und Habilitation) ermöglicht und den wissenschaftlichen Nachwuchs fördert. Auch muss sichergestellt werden, dass im neuen Berufsgesetz der Gesundheitsfachberufe die akademische Berufsqualifizierung fest verankert wird.

Die langjährige Erfahrung der Berufsfachschulen sowohl in der theoretischen wie praktischen Ausbildung muss bei allen weiteren Akademisierungsbestrebungen mit einfließen.

Für die Ergotherapie wird vom DVE gefordert, in Bezug auf die Diskussion um Lebenslanges Lernen, eine Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bereichen der Bildungssysteme zu schaffen und somit jeder Ergotherapeutin und jedem Ergotherapeuten individuelle Chancen der persönlichen Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Europäisierung bzw. Internationalisierung muss durch die Initiativen der nationalen und des europäischen Qualifikationsrahmen gewährleistet sein, dass die Mobilität deutscher Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten bzw. deren Anerkennung im Ausland nicht gefährdet wird und die deutsche Ergotherapie auch international vergleichbar und weiterhin renommiert bleibt.

Die bereits eingerichteten Ergotherapie-Studiengänge weichen unter anderem hinsichtlich Abschlussgrad, Studienform und Studiendauer voneinander ab. Diese Unterschiede sind teilweise auf die Hochschulpolitik des Bundeslandes, in dem der betreffende Studiengang angesiedelt ist, zurückzuführen. Eine qualitativ hochwertige Ergotherapieausbildung mit dem Ziel der Berufsfähigkeit trotz der Diversität der Hochschulstudiengänge zu gewährleisten, sieht der DVE als eine seiner Aufgaben.

Da die Ergotherapie-Studiengänge in Deutschland vorwiegend an Hochschulen existieren, ergibt sich damit das Problem der verringerten Forschungskapazitäten sowie des fehlenden Promotionsrechts.

Das mögliche integrative Modell der Studiengänge an Universitäten z.B. unter dem Dach einer medizinischen Fakultät könnte zum Abbau dieser Probleme sowie zur Sicherstellung der Interprofessionalität in diesem Fall mit der Medizin führen. Fraglich bleibt jedoch, ob die notwendigen Ressourcen für diese Veränderung tatsächlich auf Kosten der medizinischen Fakultät zur Verfügung gestellt würden. Außerdem könnte durch eine hier beispielhaft erwähnte Ausrichtung in Richtung medizinische Fakultäten eine Öffnung zu weiteren Bezugswissenschaften wie z.B. den Sozialwissenschaften erschwert werden und somit die Vielschichtigkeit der Ergotherapie nicht ausreichend Berücksichtigung finden.

Die historisch gewachsenen Strukturen an Universitäten machen die Notwendigkeit eines anderen Modells der ergotherapeutischen Studiengänge für eine Übergangszeit deutlich. Hierzu gehören das ungleiche Verhältnis der Studierenden in den Therapie- und Gesundheitsberufen zu den Medizinstudierenden, die derzeitigen Finanzierungsengpässe an den Universitäten und die notwendigen Konzentration auf die Ausbildung einer eigenen ergotherapeutischen Identität als akademische Fachdisziplin und dem damit verbundenen Ausbau der Therapiewissenschaft als anerkannte und selbständige Einzelwissenschaft. Aus diesem Grund favorisiert der DVE für diese Übergangszeit das kooperative Modell. Das heißt also, die Einrichtung von ergotherapeutischen Studiengängen an staatlichen Hochschulen unter dem Dach einer Fakultät für Gesundheitswissenschaften. Die enge Zusammenarbeit mit einer medizinischen Fakultät einer nahe gelegenen Universität ist dabei von immenser Bedeutung und kann durch intensive Kooperationen die oben ausgeführten Punkte zu Forschungskapazitäten und Sicherstellung der Interprofessionalität eingrenzen. Langfristig muss jedoch die Integration der Therapiewissenschaften an Universitäten weiterverfolgt werden.

Die Qualität eines Studiengangs hängt vor allem vom Curriculum, der Berufsqualifizierung, dem fachlichen und personellen Potenzial sowie der materiellen Ausstattung des Studiengangs bzw. der Hochschule ab. Aus Sicht des DVE gehört hierzu unabdingbar auch die Gestaltung der praktischen Ausbildungsanteile. Beim Curriculum - um einen zentralen Aspekt herauszugreifen - müssen auch in der aktuellen Übergangsphase berufsspezifische Inhalte (wie beispielsweise Theoretische Grundlagen und Praxismodelle der Ergotherapie, Forschung in der Ergotherapie, Clinical Reasoning, Evidenzbasierte Praxis, Qualitätssicherung und -management in der Ergotherapie) angemessen vertreten sein.

Ein Arbeitsschwerpunkt des DVE ist es, aktiv Kriterien zur Gestaltung der ergotherapeutischen Hochschullandschaft in die öffentliche Diskussion über Ergotherapie-Studiengänge und die Akademisierung der Ergotherapie-Ausbildung sowie in die Arbeit der Hochschulen und Akkreditierungsagenturen einzubringen.

Finanzierung der Ergotherapieausbildung

Derzeit gibt es nur wenige staatliche Ausbildungsstätten (Berufsfachschulen, Hochschulen) für Ergotherapie, sodass häufig freie/private Bildungsträger die Ausbildungsstätten errichtet haben. Es fallen zumeist Ausbildungskosten an, die sich ohne weitere Kosten für den Lebensunterhalt auf bis zu 25.000 € belaufen können und von den Auszubildenden/Studierenden oder deren Angehörigen vielfach selbst getragen werden müssen.

Die bisher in weiten Teilen privat finanzierte Ausbildung gefährdet jedoch die Sicherung des ergotherapeutischen Fachkräftenachwuchses, da sie eine unnötige Hürde für den Berufseinstieg darstellt.

Unabhängig vom Ausbildungsort ist es daher von wesentlicher Bedeutung, auf eine Ausbildungsgebühr zu verzichten.

Darstellung der ergotherapeutischen Bildungslandschaft

Berufsfachschulische Ausbildung der Ergotherapie

Für die Phase der zwangsläufigen Koexistenz von nicht-akademischen wie akademischen Ausbildungsmöglichkeiten, die noch einige Jahre anhalten wird, bedarf es der Weiterentwicklung der berufsfachschulischen Ausbildungen. Die Forderung nach einer ausschließlich hochschulischen Erstausbildung darf die Notwendigkeit zu weiterführenden strukturellen Regelungen der berufsfachschulischen Ausbildung nicht in den Hintergrund drängen. Die Modernisierung der berufsfachschulischen Ausbildung ist zum einen gesundheitspolitisch notwendig, um weiterhin eine qualitätsorientierte Patientenversorgung gewährleisten zu können und zum anderen auch bildungspolitisch notwendig, da es derzeit eine Vielzahl von Studiengängen gibt, die auf dieser Ausbildung aufbauen und ebenfalls davon profitieren.

Als einen der relevantesten Punkte sieht der DVE hier die gesetzliche Verankerung der Qualifikation für Lehrkräfte an Berufsfachschulen für Ergotherapie. Der Ausbau von pädagogisch-akademischen Qualifizierungsmöglichkeiten für Lehrende ist dringend erforderlich. Unumgänglich sind in diesem Zusammenhang auch landesübergreifenden Regelungen, damit ein bundesweiter Standard in der ergotherapeutischen Versorgung der Bevölkerung nicht zuletzt auch dadurch gewährleistet werden kann.

Insbesondere benötigt auch die fachpraktische Ausbildung am Patienten angemessene personelle wie institutionelle Rahmenbedingungen, damit sowohl Berufsfachschulen aber auch Hochschulen der Bedeutung dieser Aufgabe entsprechen können.

Wir setzen uns weiterhin für ein durchlässiges Ausbildungssystem ein, in dem alle die Chance haben sollen, ihre Qualifikation zu erweitern.

Bis zum vollständigen Übergang der Ausbildung in primärqualifizierende Studiengänge werden die Berufsfachschulen eine wichtige Schnittstelle auf dem Weg zur weiteren Professionalisierung der Ergotherapie bilden. Die Einrichtung ausbildungsintegrierender Studiengänge, wobei ausbildungsintegrierend unbedingt nur als inhaltlich-strukturelle Verzahnung der berufsfach- und hochschulischen Ausbildung zu verstehen ist, sollte gefördert und ausgebaut werden.

Studium der Ergotherapie

Bachelor-Studiengänge, als erste Stufe der Berufsqualifizierung, vermitteln die für die grundständige Berufsqualifizierung und den Berufseinstieg notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen und berufsspezifischen Kompetenzen. Hierbei sollen sie auf Schwerpunktsetzungen (z. B. Vorbereitung auf Leitungsaufgaben oder Lehrtätigkeit) verzichten. Tätigkeitsfelder von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten mit Bachelor-Abschluss sind die heute bereits existierenden Arbeitsfelder, also der therapeutische Einsatz "am Patienten" in stationären, teilstationären und ambulanten Einrichtungen sowie in den weiteren Bereichen des Gesundheitswesens.

Master-Studiengänge, als weitere Stufe der Berufsqualifizierung, setzen grundsätzlich einen Bachelor-Abschluss oder eine äquivalente Qualifikation voraus und sind abhängig von weiteren besonderen Zugangsvoraussetzungen (z. B. Berufspraxis oder Eingangsprüfung). Sie bieten eine Schwerpunktsetzung an (u. a. Forschung, Lehre, Management, Gesundheitsförderung) und qualifizieren Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten u. a. für Tätigkeiten in Wissenschaft und Forschung, in Aus-/Weiterbildungsinstitutionen des Gesundheitswesens und für Leitungsaufgaben in Therapieabteilungen von Kliniken, Krankenhäusern, Rehabilitationseinrichtungen usw.

Master-Abschlüsse berechtigen zur Promotion und Habilitation. Die mit einer Promotion und Habilitation erworbenen Qualifikationen befähigen u. a. in besonderer Weise für die Bereiche Wissenschaft und Forschung.

Stand 11/2017

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