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Die DVE-Umfragen

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Umfrage zur ambulanten Ergotherapie für
Menschen mit psychischen Störungen

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Das war Bielefeld 2015

Neues erfahren – das haben mehr als 1.100 Besucher beim 60. Ergotherapie-Kongress des DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) in Bielefeld.

Fotogalerie

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Fotogalerie Ergotherapie Kongress 2015

Eröffnungsvortrag

von Prof. Christiane Mentrup und Claudia Galli

Eroeffnungsvortrag Prof Christiane Mentrup u Claudia Galli

(Ein)-Blick über den Zaun – „Neues“ entdecken in der Schweiz Akademisierung? – Akademisierung!

60. Ergotherapie-Kongress

Weit über tausend begeisterte Ergotherapeuten in Bielefeld

Die mit großem Interesse erwartete Eröffnungsveranstaltung drehte sich rund um den  Prozess der Akademisierung in Deutschland. Von den Chancen und positiven Aspekten der möglicherweise bedeutendsten Veränderung ihres Berufsstandes konnten sich die Besucher überzeugen (lassen): Zwei Schweizer Kolleginnen berichteten von der gelungenen, bereits vollzogenen Umsetzung der Akademisierung, die in Deutschland noch in den Anfängen steckt. Tag zwei, nicht weniger spannend, bot den Kongressteilnehmern mit der Podiumsdiskussion zum Thema Inklusion, die Prof. Fabian Kessl souverän moderierte, ebenso Zündstoff wie Übereinstimmung.

Ergotherapie-Kongress 2015 in Bielefeld | Länge: 04:51 | Eindrücke von der Eröffnungsveranstaltung

Das Beste am Neuen: es steckt voller Potenzial und man kennt es (noch) nicht. Aber genau das, das Unbekannte, kann auch das Schlimme daran sein – zumindest für das eigene Kopfkino. Welche Erleichterung, wenn es Pioniere gibt, die das Terrain bereits erkundet haben, wie in diesem Fall: Zum Auftakt des 60. Ergotherapie-Kongresses in Bielefeld präsentieren Prof. Christiane Mentrup und ihre Kollegin Claudia Galli einem sehr gespannten Publikum, wie die Schweiz die politisch gewollte, vollständige Akademisierung der Ergotherapeuten vollzogen hat. Für die Akademisierung auch hierzulande sprechen viele Gründe. Ein naheliegendes Argument ist die Notwendigkeit, Forschungsarbeit zu betreiben. Denn nur so lässt sich, wie das im Gesundheitswesen zeitgemäß und gang und gäbe ist, die Ergotherapie in der Patientenversorgung und auch das Berufsbild an dieser Stelle weiterentwickeln. Eine weitere, ebenso wichtige wie nützliche Erkenntnis der Schweizer: Um den Akademisierungsprozess reibungslos und die Studieninhalte so optimal wie möglich zu gestalten, lohnt es sich unbedingt, das in der Praxis erworbene Wissen und die Bedürfnisse der Ergotherapeuten, die ihren Stellenwert bei der Berufsausübung bereits bewiesen haben, zu berücksichtigen. Ein konstruktives Miteinander fördert dieses Vorgehen allemal. Auch die Möglichkeit einer zeitlich und finanziell stemmbaren hochschulischen Nachqualifizierung – so wie in der Schweiz praktiziert – scheint für Deutschlands Ergotherapeuten ein sinnvolles Angebot.

Gesellschaftlich betrachtet noch viel drin
Inklusion: Wer inkludiert wen? Schon der Titel der Podiumsdiskussion lässt auf interessante Standpunkte, Perspektiven und Statements schließen. Und in der Tat sind sich die Teilnehmer,  Professor Detlef Horster, Raùl Krauthausen, Brigitte Richter, Lisa Steinmann und Arnd Longrée zwar grundsätzlich darüber einig, dass Inklusion in Deutschland noch einen weiten Weg vor sich hat, aber wie immer liegt die Wahrheit im Detail. Krauthausen beispielsweise erklärt, dass er sich selbst als Kind nicht als behindert wahrgenommen hat und ihm erst in der 5. Klasse klar wurde, dass er behindert ist – er wurde vom Sportunterricht ausgeschlossen, also exkludiert. Er stimmt mit Brigitte Richter, die an einer seelischen Behinderung leidet, überein, denn beide wünschen sich, nach ihren Wünschen und Bedürfnissen gefragt zu werden. Raùl Krauthausen bringt vor allem seine Gefühle und seine durch Nicht-Behinderte gesetzten Grenzen oft radikal auf den Punkt: „Ich will nicht geheilt, erzogen, gepflegt werden von Menschen, die meinen zu wissen, wie es ist.“, sagt er. Brigitte Richter hingegen möchte durchaus Heilung. Vor allem, denn darin sieht sie den größten Heileffekt, durch Begegnung mit anderen, gesunden Menschen. „Das kann jeder leisten.“, sagt sie, stellt fest „Nichts ist interessanter als das Leben des anderen“ und bietet an, über sich, Ihre Krankheit, Ihr Leben zu erzählen. Lisa Steinmann, MdL und Rollifahrerin, die Inklusion als ein gesellschaftliches Großprojekt bezeichnet, findet: „Inklusion ist keine Einbahnstraße, sondern ein gesellschaftlicher Wandel, zurück zum Normalen.“ Und beschreibt die Situation in „ihrem kleinen spanischen Dorf“, wo der Reiche, der Arme, der Autist, der Einbeinige, das Down-Kind, Alte und Kinder zusammenleben – alle sind Bestandteil einer Gesellschaft, eines Dorfes. In Deutschland hingegen werden seit den 60er Jahren Verschiedenheiten verschieden abgegrenzt und systematisch exkludiert – im Sinne spezieller Förderung zwar, aber dadurch ist Andersartigkeit so geworden, weil die Gesellschaft sie dazu gemacht hat. Diese eingefahrenen gesellschaftlichen Strukturen bezeichnet Professor Horster als schwer zu bewegenden Dampfer, meint aber, dass Inklusion heißt, diesen Dampfer in Bewegung zu bringen. Und zeigt als Beispiel Schleswig-Holstein, wo schon sehr früh in der Schule die Binnendifferenzierung, also die individuelle Förderung einzelner Lernender, die  Leistungsorientierung abgelöst hat. Kontinuierlich hat man dort die Sonderschulen abgeschafft, in Regelschulen überführt und dadurch sogar Einsparungen erzielt. Doch darin sind sich alle einig: Inklusion darf nicht auf die Kostendiskussion reduziert werden, es steckt so viel mehr Potenzial darin. Denn Inklusion ist kein Ziel, sondern ein Prozess. Ein Prozess der Annahme und der Bewältigung von menschlicher Vielfalt mit dem Ziel, Menschen mit Behinderung dabei zu unterstützen und zu begleiten, damit sie aus den Inseln herausbrechen, in die Mitte der Gesellschaft kommen und sich dort wohl fühlen. Und genau das ist der Ansatz der Ergotherapie, den Arnd Longrée als Vorsitzender des Deutschen Verbands der Ergotherapeuten e.V. erläutert: „Wir unterstützen Menschen mit Behinderung mit unserer ergotherapeutischen Expertise, handeln mit den Klienten gemeinsam aus, was sie für sich in Anspruch nehmen wollen. Und das spiegelt meiner Meinung nach den wahren Geist der UN-BRK wieder“.

Neue Trends, neue Ausrichtungen, neue Betätigungsfelder
Zusätzlich zu den Neuerungen, die die Aussteller präsentierten, ging es in zahlreichen Vorträgen und Workshops um Weiterentwicklungen und Neuentdeckungen aus der Ergotherapie. Die Kongressbesucher hatten zahlreiche Gelegenheiten, sich eingehend zu informieren und sich auszutauschen. Beispielsweise zum Thema „Direktzugang“ zur Ergotherapie, der bereits in einigen europäischen Nachbarländern wie den Niederlanden praktiziert wird. Auch in Deutschland besteht die Forderung des DVE, Ergotherapie ohne ärztliche Verordnung zu ermöglichen. Für mündige Patienten eine berechtigte und auch im Hinblick auf wirtschaftliche Aspekte empfehlenswerte Vorgehensweise, so die Erfahrung der Niederländer.

–      bei Älteren
Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung sind inzwischen mehr als nur ein Thema: sie sind beginnende Realität. Die Ergotherapeuten sind auf immer mehr älter werdende Deutsche in vielerlei Hinsicht gut vorbereitet. Das spiegelt sich in einer Reihe von Vorträgen zu diesem Thema wieder. Eines der präsentierten Programme heißt HED-I und eignet sich zur häuslichen ergotherapeutischen Intervention bei leicht bis mittelschwer Demenzkranker. Aktiv beziehen Ergotherapeuten sie ebenso wie ihre pflegenden Angehörigen in den therapeutischen Prozess ein. Die Wirkung dieses Vorgehens ist verblüffend und nebenbei bemerkt ebenso durch Studien belegt wie als Empfehlung in den Behandlungsleitlinien zu Demenzen zu finden. Dank dieser Form der Ergotherapie zuhause gelingt es nämlich, die geliebten Menschen länger bei sich zu haben und in möglichst viele Alltagshandlungen einzubeziehen. Emotionale Gründe sprechen ebenso für dieses Konzept wie wirtschaftliche. Denn die Einweisung in ein Pflegeheim lässt sich dadurch deutlich hinauszögern.

–      bei  Kindern, Lehrern und Eltern
Die Ausweitung von Ganztagsschulen und die Inklusion von Kindern mit Behinderung in die Regelschule erfordert an vielen Stellen ein Umdenken. Und Umstrukturieren, zum Beispiel beim Einsatz von Fachkräften, die die Arbeit der Pädagogen direkt vor Ort ergänzen. Zwei Ergotherapeutinnen, die bereits seit Jahren an Schulen tätig sind, berichten über ihre Erfahrungen. Davon, wie ihr Wissen über sensomotorische Prozesse und Mechanismen der Selbstregulation auf großes Interesse stößt. Absolut erstrebenswert hört es sich an, was sie durch ihre Arbeit bewirken: Dank verhaltenstherapeutisch-orientierter Interventionen können sie die sozialen, kognitiven, emotionalen und motorischen Fertigkeiten der Schüler verbessern. Und dies führt zu einer angenehmeren Lernatmosphäre. Doch der Clou ist, dass sich die veränderten Verhaltensweisen der Kinder durch die Zusammenarbeit mit den Lehrern und Eltern auch auf andere Alltagsbereiche überträgt. So wird nicht nur der Unterricht effektiver, auch das Familienleben und die Freizeitgestaltung werden angenehmer und unkomplizierter.

Gemeinsam Ziele verfolgen, zusammen stark seinUm aktuelle fachliche und berufspolitische Themen ging es bei der Mitgliederversammlung des DVE. Neue Betätigungsfelder, bei deren Etablierung die Mitglieder des Verbands seine Unterstützung benötigen oder die Zufriedenheit mit den Aktivitäten des DVE in den einzelnen Bereichen sind elementare Aspekte, die in großer Runde angesprochen und diskutiert wurden. Denn schlussendlich geht es vor allem darum, die Zukunftsfähigkeit und die Bedeutung der Ergotherapeuten zu sichern und ständig weiter zu verbessern.