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FEHLERTEUFEL

 

Vor gut einem Jahr haben Lehrende und Lernende bei der deutschlandweit größten Demonstration zur Ausbildungskostenfreiheit in Stuttgart auf die Missstände der Ausbildungsfinanzierung in Baden-Württemberg hingewiesen. Sozialminister Manfred Lucha hat sein Versprechen gegeben, sich für die Verbesserung der Ausbildungssituation in der Ergotherapie einzusetzen.

Was hat sich seither getan?
Seitens der Schulen und der Verbände VDES und DVE gab es konstante Bemühungen auf eine Lösung hinzuarbeiten. Wir pflegen regelmäßige Treffen mit den Berufsverbänden der Berufsgruppen Logopädie, Physiotherapie und Podologie sowie mit dem Verband deutscher Privatschulen, um über die Finanzierungsgegebenheiten zu beraten in Gesprächen mit der Politik auf die Dringlichkeit einer soliden Ausbildungsfinanzierung und der notwendigen Abschaffung der Schulgebühren hinzuweisen.

Leider haben die Bemühungen noch nicht zu dem erhofften Ergebnis der Schulgeldfreiheit in Baden-Württemberg geführt, obwohl dies zum Großteil in den übrigen Bundesländern überwiegend der Fall ist.

Baden-Württemberg hingegen scheint hier ein langsameres Tempo anzuschlagen und hat zunächst ein Gutachten zur Ermittlung der Kosten für die Ausbildung an Ergotherapie Schulen in Auftrag gegeben. Dieses liegt dem DVE jetzt vor und kann unter angefragt werden.

Grundlage für die Erstellung des Gutachtens bilden die Anforderungen in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (ErgThAPrV), die Mindestanforderungen an Schulen für Gesundheitsfachberufe sowie Erfahrungswerte bestehender Schulen und die Kostengruppenartengruppen des Handbuchs zur Kalkulation von Ausbildungskosten“ des Instituts für das Entgeldsystem im Krankenhaus (InEK 2009). Kostenpunkte, die dabei berücksichtigt wurden, sind die Kosten für theoretischen und praktischen Unterricht, Praktische Ausbildung, Sachaufwand der Ausbildungsstätte und Gemeinkosten.

Die gutachterliche Ermittlung der Kosten je Ausbildungsplatz des Landes Baden-Württemberg für das Jahr 2019 ergab, basierend auf vier unterschiedlichen Varianten entsprechend der Lage und Schulgröße, Kosten in Höhe zwischen 9.765 Euro und 8.071 Euro. Als Fazit des Gutachtens ist festzuhalten, dass die vorgestellten Kosten höher liegen als die Einnahmen, über die Ergotherapieschulen in den letzten Jahren verfügen konnten. Zu beachten ist, dass es sich bei Ergotherapieschulen in Baden-Württemberg überwiegend um kleinere Schulen im kleinstädtischen Raum handelt. Die maximale Anzahl von Lernenden an einer Ausbildungseinrichtung lag im Schuljahr 2028/2029 bei 79.
Gegenüber dem Gutachten kritisch anzumerken ist:

 

  • der Bezug auf veraltete Rahmenbedingungen: ErgTHAPrV; Mindestanforderungen an Schulen für Gesundheitsfachberufe aus dem Jahr 2003, die zudem eine physiotherapeutische Spezifika aufweisen und ebenfalls überarbeitungsbedürftig sind.
  • die fehlende Berücksichtigung der Vor- und Nachbereitungszeiten beim Betreuungsaufwand der praktischen Ausbildung.
  • die Auswahl der Entgeldgruppen TV-L nach der die Gehälter der Lehrenden und Schulleitung kalkuliert wurden. Prinzipiell ist die Orientierung am TV-L jedoch zu begrüßen.

Für die in Baden-Württemberg besonders prekäre Situation der Ergotherapieausbildung ist es nun wichtig, dass die Gesundheitspolitik jetzt die folgerichtigen Schlüsse aus der gutachterlichen Expertise zieht und den freiwilligen Fördersatz von aktuell 2.000 Euro deutlich erhöht und auf das Niveau der Fördersumme für Ersatzschulen anhebt (derzeit bei rund 8.171 Euro inkl. freiwilligem Fördersatz pro Lernenden).

Vor dem Hintergrund, dass alle an Baden-Württemberg angrenzenden Bundesländer die Schulgeldfreiheit für die Gesundheitsfachberufe umsetzen bzw. beschlossen haben, wäre zur Sicherung des Fachkräftebedarfs die Einführung der Schulgeldfreiheit der bestmögliche Weg.

Abzuwarten bleibt, wie die kommenden Handlungsschritte der Landesregierung aussehen werden und ob Sozialminister Lucha seinem Versprechen gegenüber den Lernenden der Ergotherapie noch in dieser Legislaturperiode nachkommen oder er die Sache aussitzen wird.

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